HELLMUTH MATTHES KG | Bautzen

Unsere Geschichte

„Jetzt legen wir los …“

Ich höre es noch wie heute … mein Vater und meine Mutter 

Ja so war es. Durch die „Wende“ entstanden ungeahnte Möglichkeiten. Plötzlich konnte man sich ein eigenes Unternehmen aufbauen, sich der Herausforderung stellen und auch Arbeitsplätze sichern. Nach dem November 1989 war nichts mehr wie es war. Durch die Schließung vieler Betriebe waren eine Menge Leute arbeitslos und keiner wusste so richtig, wie es weitergeht. Auch eine Abteilung des VTK Bautzen, wo mein Vater arbeitete, sollte geschlossen werden und somit wären viele Leute auch da arbeitslos. Mein Vater wollte das nicht hinnehmen und auch diese Arbeitsplätze sichern, wieder sich selbst und anderen eine Perspektive geben. Durch die geschichtlichen Ereignisse war plötzlich sehr viel möglich, wenn man bereit war, dass damit verbundene Risiko zu tragen. Mein Vater und meine Mutter haben diese Chance ergriffen, Nägel mit Köpfen gemacht und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Am 01.10.1990 war es soweit. Mein Vater und mein Bruder gründeten die Hellmuth Matthes KG. Ich kann mich noch erinnern, wie wir in Familie am Küchentisch gesessen haben und uns Gedanken über den Namen, das Firmenlogo und die Firmenfarben gemacht haben – am Ende wurde dann doch ein Spezialist zu Rate gezogen. Gemeinsam mit richtig guten Mitarbeitern und alter, gebrauchter aber bewährter Technik vom ehemaligen VTK Bautzen ging es los.

Mein Vater klapperte mit unserem roten Lada los, um Aufträge für die Firma klarzumachen. Seine Jungs (so nennt er die Mitarbeiter immer) bewerkstelligten den praktischen Teil mit Eifer, Tatendrang und Fachwissen. Trotz Schwierigkeiten und dem Ernst der Lage war immer viel Freude dabei. Vieles Alte und Marode aus der ehemaligen DDR wurde erneuert und wir waren dabei.
Meine Mutter war dabei eine große Stütze. Als ursprünglich gelernte Krankenschwester / Krippenerzieherin sattelte sie noch einmal um, ließ sich zur Buchhalterin ausbilden und… sprang ins kalte Wasser. Das war echt nicht ohne, aber sie hat es gut gemeistert. Mit einer Mitarbeiterin im Büro, welche auch von Anfang an mit im Team war, hatte sie dabei eine große Hilfe. Hut ab vor den beiden.

Anfangs war der Firmensitz noch in 2 Zimmern des ehemaligen VTK-Büros auf der Dresdner Straße in Bautzen aber 1993 wurde ein neues Gebäude auf der Baschützer Strasse errichtet und als Firmenstandort bezogen.

Nach und nach entwickelte sich das Unternehmen mit vielen Höhen und Tiefen zu einem schlagkräftigem regionalen Anbieter mit breitem Spektrum. Mein Bruder trat nach seinem Elektrotechnik-Studium voll in die Firma mit ein.

Mittlerweile waren und sind wir auf jeder Menge regionaler Baustellen tätig. Es gab aber auch deutschlandweite und ausländische Bauvorhaben – in Polen, Norwegen, Russland, China und den Niederlanden. Bei diesen Bauvorhaben mussten wir verschiedenste Herausforderungen annehmen, Materiallieferung per Schiff organisieren oder eine Menge Genehmigungen im jeweiligen Land einholen. Rückblickend lässt sich sagen, dass es sehr anspruchsvoll für alle war, die Vorbereitung, die Ausführung….aber es gab auch sehr viele schöne Momente während der Umsetzung der einzelnen Projekte. Eine Episode, an die ich mich gerne erinnere, zeigt, dass wir selbst Sprachbarrieren irgendwie gemeistert haben: Wir hatten vor Ort meist ansässige Elektriker zur Unterstützung. Unser Kollege war dem Englischen nicht zu 100 % mächtig. Deshalb holte er sich diese Kollegen ran und machte die auszuführenden Arbeiten einmal vor und sagte immer „looki looki..“. Danach klappte es, sie hatten es sich abgeschaut. Genial.

Unsere Leistungen erstrecken sich von der Elektroplanung über die Ausführung von Elektroinstallationen für Gesellschafts- und Industriebauten bis hin zum Bau von Kabelschaltanlagen 30 kV.

Unsere über 30 – köpfige Mannschaft wird jederzeit überall gerne gesehen. Kein Wunder, sind ja fast alle viele Jahre und Jahrzehnte dabei. Jeder beherrscht seine Kunst, egal ob im Büro oder auf der Baustelle. Arbeiten muss man überall. Mittlerweile kommt es eben auch darauf an, ob man sich in einem Unternehmen wohlfühlt.

Durch das Unternehmen wurden viele Lehrlinge und Meister ausgebildet. Keine leichte Sache. Aber in Hinblick auf die Zukunft haben sich diese schweißtreibenden und finanziellen Aufwände gelohnt.

Ich möchte noch zwei Mitarbeiter erwähnen: unsere Meister Ralf Koch und Michael Kupke

Die Zwei waren die ersten beiden Mitarbeiter, welche in unserem Unternehmen ihre Meisterausbildung absolviert haben. Das hieß für die beiden, tagsüber die Baustellen bewältigen mit allen seine Herausforderungen und abends auf die Schulbank setzen. So eine Ausbildung ist ein großer Kraftakt, wenn man bedenkt, dass Schule auch am Samstag war. Die beiden haben das aber super gemeistert und gehören mit Sicherheit zu den Besten in ihrem Fachgebiet. Sie haben uns in der ganzen Zeit uneingeschränkt zur Seite gestanden. Sie sind früh die ersten und abends mit die letzten der Kollegen, welche die Firma verlassen. Sie sind maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass das Unternehmen dahingekommen ist, wo es jetzt steht.

Vielen Dank dafür!

Mein Bruder führt jetzt das Unternehmen in gutem Sinne weiter.
Meine Eltern unterstützen ihn dabei. Es bleibt somit alles in der Familie.

Antje Matthes